Zur Aufwertung des aufstrebenden Quartiers Marvila im Osten Lissabons entsteht ein quartierseigenes Kulturzentrum. Vier runde Baukörper bilden ein Ensemble aus Pavillons, die auf verschiedenen Geländeniveaus zum Tejo hin terrassieren und ihre Nutzungen autonom voneinander aufnehmen.
Die runde Form antwortet bewusst auf die kontrastreiche Typologie der Nachbarschaft. Ohne ausgezeichnete Vorder- oder Rückseite lädt jeder Baukörper zur freien Umrundung ein; eine fließende Wegeführung verbindet die Sockel und macht die Zwischenräume zum eigentlichen öffentlichen Raum – einem neuen Treffpunkt des Quartiers.
Der Kreismittelpunkt ist der Ausgangspunkt von allem.
Dokumentation
Konzept & Städtebau
Der Kreismittelpunkt ist der Ausgangspunkt von allem – aus ihm entwickeln sich Konzept, Konstruktion und Grundriss. Durch die Anpassung der Sockelhöhen an das fallende Gelände entsteht ein harmonisches Zusammenspiel aus gebautem Außenraum und natürlich gestalteter Grünfläche.
Erschlossen wird das Ensemble vorwiegend von der südwestlichen Seite, mit weiteren Zugängen am Gastroturm und am Gemeindehaus. So verwebt sich die Anlage selbstverständlich mit dem Schwarzplan des Viertels und seinen Wegen.
Die Multifunktionshalle
Die Multifunktionshalle mit 500 flexiblen Plätzen ist das Herz der Anlage: höhenverstellbare Bodenelemente machen aus dem Saal mal Theater, mal Konzert- oder Tanzfläche. Tragwerk und Raum sind eins – radial angeordnete, vorgefertigte Stahlbetonbogen-Elemente überspannen den runden Saal und tragen die weit auskragenden Dachüberstände, die die vollflächig verglaste Pfosten-Riegel-Fassade verschatten.
Während das Auditorium das Erdgeschoss einnimmt, liegt im ringförmigen Untergeschoss ein Ausstellungsbereich, gefasst von Technik-, Lager- und Bühnenräumen um die zentrale Hebebühne. Von außen zeigt sich die Halle als niedriger, umlaufender Bogenkranz unter dem tief herabgezogenen Dach.
Amphitheater & Gastroturm
Ein überdachtes Freilicht-Amphitheater mit umlaufendem Wasserspiegel schließt an die Halle an. Konzentrische Sitzstufen fassen die Bühne im Zentrum; ein filigranes Bogendach überspannt den Rund und bindet die Freilichtbühne in das Ensemble ein.
Der fünfstöckige Gastroturm setzt den vertikalen Akzent. Auf einem schlanken, sich verzweigenden Stamm sitzen zwei auskragende Geschosse mit Restaurant und Bar samt Rundumblick; die Dachterrasse dient als Aussichtsplattform über Quartier und Tejo.
Detail & Konstruktion
Ein Detailschnitt durch die Hallenfassade zeigt das Zusammenspiel von Bogen, Dach und Boden. Thermisch getrennte Bogenträger und ein textiler Sonnenschutz hinter der Pfosten-Riegel-Verglasung halten den vollflächig verglasten Saal auch bei viel Glas behaglich.
Dachaufbau — Attika-Betonfertigteil, wasserführende Schicht, zweilagige Bitumen-Dachabdichtung, Wärmedämmung mit Gefälle, Stahlbetondecke. Fußbodenaufbau — Unterflurkonvektor, Terrazzo bzw. Parkett, Estrich, Trittschalldämmung, Stahlbetondecke. Fassadenaufbau — thermisch getrennter Bogenträger aus Betonfertigteilen, textiler Sonnenschutz, Pfosten-Riegel-Verglasung.